Pflanzensterben  
Ich zeige hier jetzt chronologisch, neueste Entwicklungen oben, die Entwicklung des Pflanzensterbens im Bingenheimer Ried auf. Ich beginne jedoch mit vier Bildern, die das Ausmaß des Pflanzensterben seit dem Sommer 2014 deutlich machen.
Im Sommer 2014 erreichte der Pfaffensee erstmals seinen Überlauf. Viel Wasser des Sees floss wie geplant ins Bingenheimer Ried. Rings um den Einlauf setzte zur gleichen Zeit ein Pflanzensterben ein, was sich im Frühjahr 2015 fortsetzte. Wo am 23.5.2015 Schilf und Seggen wachsen sollten, wuchs nichts. Das Biotop, in dem in den Vorjahren Kleines Sumpfhuhn und Zwergsumpfhuhn riefen, war zerstört. Eine Behörde ließ im Mai 2015 Boden- und Wasserproben nehmen. Es wurden keine Auffälligkeiten gefunden.
 
10.3.2013: Bevor der Pfaffensee erstmals überlief
13.3.2016: Rund um den Einlauf am Pfaffensee wächst kaum noch etwas.
 
4.4.2014: So sah es am Einlauf des Pfaffensees aus, bevor Wasser des Sees ins Ried floss.

23.5.2015: So sah es rund um den Einlauf aus.

 
Ab hier jetzt die neuesten Entwicklungenen   
Letztmals floss im Februar 2018 Wasser des Pfaffensees ins Bingenheimer Ried. Ganz langsam erholt sich die Pflanzenwelt. Offensichtlich waren die Salzablagerungen durch das verdunstende Wasser des Pfaffensees noch nicht so groß.Im Sommer 2020 wurden zwei Flächen in der Kernzone abgezäunt, um eine Beweidung zu verhindern. Nur Rehe dürfen dort zur Zeit grasen.19.11.2020:

 
 
Im März 2019 wurden rund um den Pfaffenseeeinlauf 4 Käfige aufgestellt. Man wollte herausfinden, wie groß der Einfluss der Beweidung auf den Pflanzenwuchs ist. Dies wurde auch schnell deutlich. Rohrkolben tauchte aber erst im Sommer 2020 dort wieder auf.    
   
9.7.2020:
 
29.8.2019:
 
18.3.2019:
 
Winter 2018/2019:

Es gibt Neues zum Pflanzensterben im Bingenheimer Ried:
Ich habe weiter zum Wasser des Pfaffensees recherchiert. Das HLNUG hat mir weitere Untersuchungsergebnisse zur Verfügung gestellt.
Herr Häckl vom HLNUG machte mich auf extrem hohe Härtegrade aufmerksam. Er schrieb:

„Nach meiner Auffassung scheint zwar keine Schädigung durch toxische Verbindungen vorzuliegen. Jedoch ist die Härte dieses Wassers so
außerordentlich hoch, dass von einer direkten Schädigung des Bingenheimer Riedes durch diese härtebildenden Substanzen ausgegangen werden muss.“

und weiter

"Die Werte für Calcium, Magnesium und Sulfat sind im Pfaffensee extrem hoch (siehe Tabelle, mit Ergänzung durch °dH, im Vergleich zu den anderen Braunkohlerestseen der Wetterau), was dann zu dieser extremen Härte des Wassers von ca. 65 °dH führt. Bereits bei einem Wert ab 21,3°dH spricht man von “sehr hartem Wasser“.

Prof. Dr. Oehlmann (Goethe-Universität, Abteilung Ökotoxikologie) schrieb zu den Untersuchungsergebnissen des Pfaffenseewassers:

"Der See weist - typisch für sehr nährstoffreiche Seen entsprechender Tiefe - eine ausgeprägte Schichtung der Wassersäule mit einer Sprungschicht bei etwa 4 m auf: Im warmen Oberflächenwasser sind hohe Algendichten und in der Folge teilweise starke Sauerstoffübersättigungen zu finden, der Nährstoffgehalt ist aufgrund des starken Algenwachstums relativ gering. Unterhalb der Sprungschicht im kalten Tiefenwasser fehlt dagegen der Sauerstoff komplett, die Nährstoffgehalte (Phosphor und Stickstoff) sind außerordentlich hoch, darunter auch das für Tiere giftige Ammonium.

Am 26.9.2017 wurden vergleichsweise hohe Gehalte an Cyano-Chlorophyll ermittelt. Dies deutet auf eine hohe Konzentration von Blaualgen
(Cyanobakterien) hin, die giftige Stoffe (Cyanotoxine) abgeben können. Dies ist jedoch in erster Linie für tierische Organismen ein Problem und kann nicht das Pflanzensterben verursachen.

Zu den Schwermetallen: Lediglich die Konzentrationen von Chrom (bis zu 9,8 µg/L; Hintergrundkonzentrationen für Oberflächengewässer ist < 2 µg/L) und Nickel (bis zu 20 µg/L; Hintergrund < 5 µg/L) sind leicht erhöht, allerdings noch immer so niedrig, dass dies keine Erklärung für das Pflanzensterben ist.

Auf Basis der vorliegenden Analyseergebnisse deutet zunächst nichts auf eine stoffliche Ursache für das Pflanzensterben hin.


und weiter

Herr Häckl wies auf die mögliche Bedeutung der hohen Wasserhärte im Pfaffensee als mögliche Ursache hin. Ich kann ihm da nur beipflichten. Das
Wasser im See weist sehr hohe Calcium- und Magnesium-Konzentrationen auf (entspricht mehr als 40° deutscher Härte), so dass die bestenfalls an mittelhartes Wasser angepassten Pflanzen im Bingenheimer Ried in Mitleidenschaft gezogen werden können, wenn dieses sehr harte Wasser aus dem
See in das Ried
  eingetragen wird.“

Ich möchte mich hier ganz herzlich für die Hilfe durch Herrn Häckl und Herrn Prof. Dr. Oehlmann bedanken.

Meines Wissens wurde das Wasser im Bingenheimer Ried nicht direkt untersucht. Wie schädlich das Wasser für die Pflanzen im Ried ist, hängt davon ab, wie schnell es sich verdünnt. Dies ist sicher von Jahr zu Jahr verschieden. Im Winter 2017/2018 war der Anteil des Pfaffenseewassers sicher besonders hoch. Wie das seit dem Jahr 2014 war, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Ich hoffe, dass sich die Naturschutzbehörden und die ehrenamtlichen Betreuer jetzt endlich intensiver mit den Problemen, die das Pfaffenseewasser für das Bingenheimer Ried mit sich bringt, beschäftigen. 


Im Januar 2018 war, unbemerkt von den Verantwortlichen, der Überlauf am Pfaffensee einige Wochen verstopft (Bild links vom 30.1.2018). Das Wasser stieg geschätzte 25cm über den Überlauf. Das Bild rechts (3.3.2017) zeigt den Wasserstand bei normalem Überlauf. Nachdem die Verstopfung beseitigt wurde, schoßen circa 5000 Kubikmeter Wasser des Pfaffensees, dass von einer Diplomchemikerin als heftige Salzbrühe bezeichnet wurde, durch das Überlaufrohr in das Bingenheimer Ried. Das Pflanzensterben im Bingenheimer Ried verstärkte sich im Jahr 2018 wieder, wie die folgenden Bilder aus vier Jahren deutlich zeigen.
13.7.2018:
8.7.2017:
6.7.2016:
6.7.2015:
 
In Jahren, in denen viel Pfaffenseewasser ins Bingenheimer Ried fließt, kommt es zu starken Veralgungen. Auch die Burgunderrotalge war dabei. Diese Algen treten in Jahren ohne Pfaffenseewasser nicht auf, z.B. im Jahr 2020. 
2.9.2017:
 
14.6.2017: